SEO vs. AI Visibility: Worauf GreenTech aktuell achten sollte

Googles Marktanteil liegt weiterhin über 90 Prozent, dennoch starten heute mehr als die Hälfte der B2B-Käufer ihre Recherche in einem KI-Chatbot statt in der Suchmaschine (G2, zitiert in LILOX, 2026). SEO verschwindet nicht. Die Regeln, nach denen Content gefunden und zitiert wird, haben sich jedoch verschoben. Dieser Artikel zeigt, was das für GreenTech-Unternehmen konkret bedeutet.

Das Wichtigste im Überblick

  • Googles Suchvolumen ist nicht eingebrochen, doch KI-Antworten übernehmen zunehmend den Erstkontakt zur Information.
  • Klickraten auf organische Treffer sinken bei KI-Übersichten stetig, weil Nutzer die Antwort direkt auf der Ergebnisseite erhalten.
  • Über die Hälfte der B2B-Software-Käufer startet die Recherche inzwischen in einem KI-Chatbot statt bei Google.
  • KI-Systeme gewichten Markenerwähnungen im Web stärker als klassische Backlinks bei der Quellenauswahl.
  • GreenTech-Unternehmen brauchen strukturierten, faktenreichen Content, der sowohl Menschen als auch KI-Systeme überzeugt.
  • SEO und AI Visibility ergänzen sich: Beide Disziplinen bleiben notwendig, verfolgen aber unterschiedliche Ziele.

Was hat sich an der Google-Suche wirklich verändert?

Am stärksten verändert hat sich, was Nutzer sehen, bevor sie klicken: Google zeigt bei vielen Suchanfragen eine KI-generierte Antwort – das AI Overview – direkt über der Ergebnisliste, oft ganz ohne Klick auf eine Quelle. Für GreenTech-Unternehmen ist das die größte strukturelle Veränderung der vergangenen zwei Jahre: Eine gute Ranking-Position schützt nicht mehr davor, unbesucht zu bleiben.

Gartner prognostizierte 2024 deshalb einen Rückgang des Suchvolumens um 25 Prozent bis 2026 (Gartner, 2024) – das hat sich nicht bestätigt, Google hält weiterhin über 90 Prozent Marktanteil (Future Factors, 2026). Der Konzern reagierte stattdessen mit dem AI Overview selbst, obwohl eine KI-Anfrage schätzungsweise zehnmal teurer ist als eine klassische Suche (Future Factors, 2026).

Daneben etabliert sich ein zweiter Recherchekanal außerhalb von Google: 2025 starteten 29 Prozent der B2B-Software-Käufer ihre Recherche mit einem KI-Chatbot, ein Jahr später 51 Prozent (G2, zitiert in LILOX, 2026). Für GreenTech-Unternehmen heißt das: Die Google-Position bleibt relevant, ist aber nicht mehr der einzige Sichtbarkeitskanal.

Warum verliert eine Top-Google-Position an Wert?

Eine Top-Position bringt weniger Besucher, weil KI-Übersichten die Antwort vorwegnehmen. Eine Feldstudie der Indian School of Business und der Carnegie Mellon University maß den Effekt direkt: Bei Suchanfragen mit KI-Übersicht sanken die organischen Klicks um 38 Prozent gegenüber Anfragen ohne KI-Übersicht (Agarwal und Sen, zitiert in Search Engine Journal, 2026). Der Anteil der Suchanfragen ganz ohne Klick auf ein Suchergebnis stieg im selben Experiment deutlich an.

KennzahlOhne KI-ÜbersichtMit KI-Übersicht
Zero-Click-Suchanfragen54 %72 %
Ausgehende Klicks pro Suchanfrage0,610,38

Wie recherchieren B2B-Einkäufer in der GreenTech-Branche heute?

KI-Chatbots sind für B2B-Einkäufer zum festen Bestandteil der Recherche geworden, oft schon vor dem ersten Kontakt zum Vertrieb. 94 Prozent der B2B-Entscheider nutzten 2025 im Kaufprozess ein Sprachmodell wie ChatGPT, ein Jahr zuvor waren es 89 Prozent (Schmöllerl, Marketing-Börse, 2026). Gleichzeitig überschneiden sich die von ChatGPT, Gemini und Copilot zitierten Quellen kaum noch mit der klassischen Google-Top-10: Lag die Übereinstimmung Anfang 2024 noch bei rund 70 Prozent, sank sie in 2026 auf unter 20 Prozent (Schmöllerl, Marketing-Börse, 2026). 

Für ein GreenTech-Unternehmen, dessen Google-Rankings stimmen, heißt das nicht automatisch, dass es in den Antworten der Chatbots überhaupt vorkommt. Eine ESG-Managerin, die Lieferanten für Kreislaufwirtschafts-Lösungen vergleicht, trifft ihre Vorauswahl zunehmend über die Empfehlung eines KI-Systems.

Wonach wählen KI-Systeme ihre Quellen aus, wenn nicht nach Google-Ranking?

Drei Signale bestimmen heute maßgeblich, ob KI-Systeme eine Quelle in ihre Antworten aufnehmen:

  • Markenerwähnungen statt Backlinks: Eine Analyse von 75.000 Marken zeigt, dass die Korrelation zwischen Web-Erwähnungen einer Marke und ihrer KI-Sichtbarkeit bei 0,664 liegt, für klassische Backlinks hingengen nur bei 0,218 (Ahrefs, 2025). Marken mit den meisten Web-Erwähnungen erscheinen im Schnitt in 169 KI-Übersichten, die nächste Gruppe nur in 14. 26 Prozent tauchen gar nicht auf. Namentliche Erwähnungen in Fachmedien oder Foren zählen dabei stärker als Backlinks.
  • Strukturierter Content statt Fließtext: Listen und klar gegliederte Strukturen machen laut einer Auswertung von 177 Millionen KI-Zitierungen rund 32 Prozent aller Zitate aus (SEOMator, zitiert in traffic3.net, 2026). KI-Systeme extrahieren einzelne, klar abgegrenzte Aussagen leichter als aus zusammenhängendem Fließtext.
  • Position im Dokument: Bei ChatGPT stammen 44,2 Prozent aller Zitierungen aus dem ersten Drittel einer Seite (Indig, Search Engine Land, zitiert in traffic3.net, 2026). Die wichtigste Antwort gehört an den Anfang eines Abschnitts, nicht ans Ende.

Für GreenTech-Unternehmen bedeutet das: Fachliche Substanz muss klar strukturiert sein, damit eine KI sie isoliert zitieren kann.

Was sollten GreenTech-Unternehmen jetzt konkret tun?

Fünf Maßnahmen verbinden klassisches SEO mit AI Visibility und lassen sich unabhängig von der Unternehmensgröße umsetzen:

  • Fragen und Lösungsansätze statt Keywords in den Mittelpunkt stellen: Überschriften, die eine konkrete Frage aufgreifen, etwa „Welches Isoliermaterial erzielt das beste ESG-Rating?“, beantworten direkt das, was ein Beschaffer oder eine KI-Suchanfrage wissen will.
  • Zahlen und Quellen offenlegen: Konkrete Kennwerte, Studien und Normen im Text erhöhen die Zitierfähigkeit, weil KI-Systeme belegte Aussagen gegenüber allgemeinen Behauptungen bevorzugen.
  • Markenerwähnungen aktiv aufbauen: Gastbeiträge, Interviews und Erwähnungen in Fachmedien wirken stärker auf die KI-Sichtbarkeit als zusätzliche Backlinks (Ahrefs, 2025). Digitale PR gewinnt dadurch an Bedeutung gegenüber klassischem Linkaufbau.
  • Sichtbarkeit in den führenden KI-Systemen regelmäßig prüfen: Klassische Rankingtools zeigen nicht, ob und wie ein Unternehmen in KI-Antworten vorkommt, wobei ChatGPT in Europa derzeit den größten Anteil des KI-Suchtraffics ausmacht (Deda, SE Ranking, 2026). Dafür braucht es ein eigenständiges Monitoring in Claude, ChatGPT, Gemini und Perplexity.
  • Strukturierte Daten technisch hinterlegen: Schema.org-Markup wie FAQPage macht Inhalte für KI-Systeme maschinenlesbar und erleichtert die korrekte Zuordnung von Fragen und Antworten.

Ersetzt AI Visibility das klassische SEO vollständig?

Nein: Beide Disziplinen verfolgen unterschiedliche Ziele und ergänzen sich, statt sich zu ersetzen. SEO sorgt weiterhin dafür, dass eine Website in klassischen Suchergebnissen auffindbar und technisch performant ist. Ladezeiten, mobile Darstellung und eine saubere URL-Struktur bleiben Grundvoraussetzung. AI Visibility setzt eine Ebene höher an: Sie entscheidet, ob ein KI-System die Inhalte einer Website überhaupt als Quelle kennt und zitiert.

SEO (klassisch)AI Visibility
ZielPosition in Google-SuchergebnissenErwähnung und Zitat in KI-Antworten
Zentrales SignalBacklinks, Keywords, technische PerformanceMarkenerwähnungen, strukturierte Fakten, Zitierfähigkeit
ErfolgsmessungRankingposition, organischer TrafficErwähnungsrate in Claude, ChatGPT, Gemini, Perplexity
ZeithorizontEtabliert seit über 20 JahrenEntsteht gerade als eigenständige Disziplin

Wer beide Disziplinen zusammen denkt, erreicht sowohl den Nutzer, der noch selbst sucht, als auch den, der die Antwort direkt von einer KI erhält.

Fazit: SEO und KI ergänzen sich optimal

SEO bleibt die Grundlage für technische Auffindbarkeit, AI Visibility entscheidet zusätzlich darüber, ob KI-Systeme ein Unternehmen überhaupt kennen und empfehlen. GreenTech-Unternehmen sollten deshalb beginnen, ihren Content für Markenerwähnungen, klare Struktur und belegte Fakten auszurichten, bevor Wettbewerber diese Sichtbarkeit für sich beanspruchen.

Ob ein GreenTech-Unternehmen in den Antworten von Claude, ChatGPT, Gemini und Perplexity überhaupt vorkommt, lässt sich nicht am Google-Ranking ablesen. Aktuell kann das nur eine direkte Prüfung in den KI-Systemen selbst zeigen.

Stefano Fonseca – AI Visibility Spezialist für GreenTech

Über den Autor

Stefano Fonseca

AI Visibility Spezialist für GreenTech im DACH-Raum

Stefano Fonseca entwickelt Strategien und Content, damit KI-Systeme GreenTech-Unternehmen kennen und weiterempfehlen – von nachhaltigen Technologien bis zur Ressourcennutzung. Von klassischen Agenturen unterscheidet ihn sein fachliches Fundament: ein Abschluss in Ingenieurwissenschaften für Energie und Umwelt und über zehn Jahre Praxis als TGA-Ingenieur und technischer Texter. KI-Systeme bevorzugen Inhalte mit technischer Tiefe und exakter Fachsprache – genau die liefert Stefano Fonseca.

Werden Sie sichtbar, bevor es Ihre Konkurrenz tut

Buchen Sie ein kostenloses Erstgespräch und erhalten Sie einen AI Visibility Check – eine Übersicht über Ihre aktuelle Sichtbarkeit in ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity.

Häufig gestellte Fragen

Quellenverzeichnis

Referenzen

Inhalt

Weitere Insights

07. Oktober 26

First-Mover-Vorteil in der KI-Suche: Warum GreenTech jetzt handeln sollte

30. September 26

AI Visibility beginnt beim Upload: Die häufigsten technischen Fehler

Wie guter Content beim Hochladen seine KI-Sichtbarkeit verlieren kann: die häufigsten Struktur-Fehler bei Überschriften, Listen und FAQ.
23. September 26

Prompt-Architektur verstehen: Wie LLMs Fragen interpretieren

Fünf Prompt-Typen entscheiden, wie ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity Fragen beantworten und welche Quellen sie zitieren.